Leserunden » AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" (Seite 3)
| krim-i-hilde | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 03.11.2010, 21:53 Uhr |
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| Also, zumindest in der Generation meiner Mutter, bei den "Jungen" ist das natürlich auch nicht mehr so. | ||
| HennyH. | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 03.11.2010, 22:09 Uhr |
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Ich weiß jetzt nicht, wann man hier anfängt?Für die ersten hundert Seiten meine Eindrücke und Assoziationen: Der Prolog hat mir sehr gut gefallen. Das Bild mit den Kätzchen, die der Mann an die Wand knallt, ist für mich ein ungemein starkes Bild, die Ambivalenz, die zum Ausdruck kommt, unter bäuerlichen Lebensverhältnissen wird es fassbar, aber unter allgemeinen Wertmaßstäben, wo jede Kreatur das Recht hat zu leben, wieder nicht.. Es hat mich gewundert, warum mir dieser Zusammenhang noch nicht so bewusst geworden ist. (Wahrscheinlich, weil mein Vater die Katze immer nur mitgebracht hat) Natürlich springt einem die Sprachform förmlich an, sehr mutig, eine Sprache zu wählen, die ungemein gut mit dem Schauplatz harmoniert, vielleicht dominanter als mit der Zeit, die ja nicht unbedingt einzuschätzen ist. (Wahrscheinlich gab es da noch keine Fotos). Ich habe schon überlegt ob Wörter wie „Notiz“ oder „hinterfotzig“ in diesen Stil hineinpassen. Mir gefällt das Wort „Staubmantel“, das erinnert mich an Reisen und Kutschen. Bauern reisten so nicht, sondern Höhergestellte oder Künstler. Sicher denkt man auch an die Romantik als Kunstepoche. Bilder von Casper David Friedrich oder auch das Bild „Überfahrt am Schreckenstein“ von Richter kamen mir in den Sinn. Letzteres wahrscheinlich wegen des schroffen Felsens und der eingeschlossenen Gemeinschaft im Boot. Bei der Romantik wird ja oft Natur im Einklang mit Empfindungen gesehen, den Buchtitel „... finstere Tal“ finde ich in dieser Hinsicht sehr gut gewählt. Die Hauptperson: Greider, der ins Dorf kommt, beobachtet. Er agiert wenig, die Dinge spitzen sich noch ohne sein Zutun zu. Neugier sein treibendes Motiv. Drei Dinge, auf die er sein Augenmerk richtet, gewinnen vielleicht an Bedeutung: Das Gipfelkreuz, die sechs Brüder, der Ladenbesitzer. Bedeutung aus der zurückgebliebenen Welt: wahrscheinlich die Mutter, das Bild, das er gemalt hat, stellt eine ältere Frau dar. Wie werden die Dorfbewohner und ihr Zusammenleben gezeigt bzw. wahrgenommen? a) Bedrohung durch die Männer Weltliche Macht: Die sechs Brüder Ideologische Macht: Pfarrer Verzahnung weltliche und geistliche Macht: Brüder sitzen in der der Kirche vorn. Es wird betont, dass man auch gewillt ist, Macht gegen allgemeines Recht, durchzusetzen. ( Beispiel Zeugung Jesus) Christliche Werte wie Sünde gleich Schuld gleich Strafe tauchen auf (exemplarisch Michael Haneke „Das weiße Band“) Es wird thematisiert, dass der „Stärkere“ definieren kann, was Sünde, Schuld ist. b)Frauen geben Wärme und Geborgenheit- symbolisiert durch die beiden Frauen, bei denen Greider wohnt. c) Abschließend: Bedrohung und Glück zentrieren sich und werden zunehmend durch die Handlung gegenübergestellt. Das missgestaltete Kalb wird als Unglück( finsteres Zeichen) empfunden, die Liebe Luzis zu einem Mann wird als Glück erlebbar gezeigt. Welche Fragen habe ich an den Autor? Lieber Thomas Willman, favorisierten Sie diesen Schreibstil von Anfang an und kamen Ihnen zwischendurch je Zweifel, ob er angenommen wird? |
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| muprl | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 03.11.2010, 23:30 Uhr |
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Auch ich habe bisher sehr, sehr große Freude an dem Buch. Während des ersten Abschnittes viel es mir ein wenig schwer, mich zu konzentrieren. Die ruhige Szenerie, der Fremde, das Tal, die Wortlosigkeit und Handlungsarmut - da schweiften meine Gedanken ständig ab. Aber schon ab Abschnitt II hatten mich sowohl Geschichte als auch Schauplatz und Sprachstil vollkommen eingenommen. Ich schätze die Ruhe, die dieser Stil ausströmt sehr. Man kann sich damit von unserer doch eher hektischen Welt wunderbar zurückziehen - und das harmoniert prima mit dem Handlungsort, der ja auch von der Welt abgeschnitten liegt. Noch die beginnende Kälte und das schlechte Wetter zur Zeit - das ist der perfekte Zeitpunkt für einen solchen Roman! Trotz der sprachlichen Ruhe und örtlichen Abgeschiedenheit kommt aber doch Spannung auf, da die Atmosphäre so wunderbar bedrohlich ist, fast ein wenig schaurig. Viele Menschen in dem finsteren Tal scheinen Geheimnisse zu haben. Überhaupt kennt man von fast niemandem die Motive. Was will der Greider denn wirklich dort oben? Was hat es mit den finsteren Brüdern auf sich und was weiß der Pfarrer? Das verborgene der Handlungsmotive kommt ja unter anderem durch die Perspektive zustande, die meistens von außen und genau beobachtend auf die Figuren gerichtet ist. Fast immer ist auch darauf geachtet worden, dass Formulierungen wie "es schien..." oder "wohl..." zeigen, dass Vermutungen geäußert werden, was die Beweggründe der Figuren angeht. Ab und zu rutscht dann aber doch etwas durch wie "schließlich nahm sich die Witwe Gader - zögerlich, weil sie es scheute, sich so einfach über einen Wunsch des Gastes hinwegzusetzen..." (S. 32). Bin ich da zu sensibilisiert oder ist Euch das auch aufgefallen? Ganz selten kommt es mal zu einem Shift in den Kopf einer Figur. Ich wüßte gern, ob das ABsicht ist, oder nicht. Vielleicht wird sich das noch zeigen, vielleicht kann der Autor auch etwas dazu sagen. Außerdem finde ich es beeindruckend, dass diese Geschichte so zeitlos ist. Auf dem Buchumschlag steht zwar 19. Jahrhundert, aber ich habe das Gefühl, das könnte zu jeder Zeit spielen. Ganz, ganz toll! |
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| toma | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 04.11.2010, 07:31 Uhr |
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@muprl Du hast es wirklich auf den Punkt gebracht Genau SO habe ich es auch empfunden |
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| Jochen | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 04.11.2010, 09:27 Uhr |
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Der "Staubmantel" ist natürlich auch eine Hommage an den Vorzeige-Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod". Ansonsten "wow" Henny, sehr gute Beobachtungsgabe. Vor allem das Gipfelkreuz ist mir so früh nicht aufgefallen. Und dass du Michael Haneke erwähnst, ist eine wunderbare Koinzidenz, die Thomas Willmann bestimmt erfreuen wird Wir haben auf der Buchmesse genau über diesen Filmemacher gesprochen. Allerdings nicht im Zusammenhang mit dem "Finsteren Tal". Und auch nicht über "Das Weiße Band". Und vor allem nicht positiv. Thomas Willmann schreibt nämlich auch feine Filmkritiken. Und seine Rezension zu "Funny Games" hat mein schwarzes Herz hoch beglückt. Ist zwar ein bisschen "off topic", aber da du ausgerechnet Haneke anführtest, musste das jetzt sein, Verzeihung |
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| Federfrau | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 04.11.2010, 09:54 Uhr |
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es gibt tatsächlich ganz viele andeutungen darauf, dass greidler ganz sicher nicht zum malen ins dorf gekommen ist, sondern dies als vorwand nutzt, sich überhaupt dort aufhalten zu können und von den bewohnern gar nicht mehr wirklich wahrgenommen zu werden. zb. s. 11: "als wäre er an dem ort einer vertrauten legende angekommen und müsse nun jeden eindruck korrigierend, ergänzend, bestätigend vergleichen mit der vision, die er schon seit jahren im kopf trug" oder s.35 : "..., der den namen zum ersten Mal hier im Tal hörte" ( es geht um die brenners ) - mich sprang da gleich die vorstellung an, dass er den namen aber woanders schon gehört hat. auch bzgl des händlers gibt es auf seite 49 einen hinweis, dass da vielleicht noch eine alte rechnung offen ist. Altern ist nichts für Feiglinge (Mae West) |
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| Sulola | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 04.11.2010, 10:36 Uhr |
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Guten Morgen in die Runde Es gibt kaum etwas hinzuzufügen,bei all den treffenden Kommentaren! So mal mein Eindruck,eigentlich eine Wiederholung dessen,was schon geschrieben wurde. Zuerst-die armen Kätzchen Da hatte ich gleich jemanden,der mir,zwar noch unbekannt,direkt unsympathisch war. Dann der Weg Greiders in's Hochtal,dieses mühevolle sich hocharbeiten,belohnt durch den Blick auf das Gipfelkreuz(das sicher eine zentrale Bedeutung haben wird) und die Begegnung mit dem Jungen,eine Vorahnung auf die zu erwartende Stimmung der Leute im Dorf..ich finde das sehr gelungen. Aber bevor ich nun alles wiederhole.. Bis hierhin fesselt mich die Geschichte ungemein und obwohl nicht wirklich etwas passiert,wird die Spannung doch immer greifbarer. Wie mir scheint wird das nicht nur eine inspirierende Leserunde,sondern auch eine Übung in Selbstdisziplin,denn,das Buch aus der Hand zu legen,ist mir selten so schwer gefallen! |
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| toma | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 04.11.2010, 11:06 Uhr |
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MIR fällt Eure "Art der Leserunde" etwas schwer Habe dabei bisher nur auf der HC mitgemacht und dort "darf" man das Buch in einem Rutsch durchlesen, weil jeder Abschnitt einen eigenen Thread hat und man dann einfach im nächsten weiterschreiben kann. Ich habe das Buch bereits vor 2 Wochen GANZ gelesen... beteilige mich hier, weil der Autor die Runde begleitet... und muss mich nun sehr vorsehen, dass ich nichts "verrate", was IHR noch nicht wissen könnt Aber der Pfarrer war mir von Anfang an unsympatisch und dass sich DAS später verfestigt, wird Euch sicher nicht wundern |
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| krim-i-hilde | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 04.11.2010, 14:39 Uhr |
Er agiert wenig, die Dinge spitzen sich noch ohne sein Zutun zu. Neugier sein treibendes Motiv. So habe ich das nicht empfunden. Greider wirkt auf mich, auch wenn er scheinbar nichts weiter tut, sehr zielstrebig. Seine Zurückhaltung ist nicht die des neugierigen Beobachters, sondern sehr gezielt eingesetzt. Er benutzt seine Malerei als Vorwand,zu beobachten und (was auch immer) auszukundschaften und versucht, die Neugier der Einheimischen durch seine Zurückhaltung einzuschläfern. Teilweise verhält er sich m.M. nach auch sehr manipulativ, schöne Beispiele dafür: die Szene mit dem Kind, oder die Szene beim Besuch von Luzis Verlobten, als er den Beiden die Porträts schenkt.. Die Assoziation zu Western hatte ich auch, allerdings nicht wegen des Staubmantels (wobei, jetzt, wo du es erwähnt hast, Jochen, stimmt schon..) sondern durch das anfängliche Auftreten der Brenner-Brüder, die (wie ein Clan von Revolverhelden in so manchem Western)im Dorf den Ton angeben. |
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| Leanne | AW: Leserunde 10/VIII: "Das finstere Tal" | 04.11.2010, 14:43 Uhr |
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Ich fühle mich gerade in alte Schulzeiten zurückversetzt. Textinterpretationen, Assoziationen... und ich weiß nicht, wovon die Rede ist. Lesen wir das gleiche Buch? Bin allerdings noch nicht weiter als Seite 40 gekommen (und das im dritten Versuch). Irgendwie finde ich keinen Zugang und komme mir dabei ziemlich blöd vor, weil ich weiß, dass einige der Leserundenteilnehmer sonst fast den gleichen Geschmack haben.... Ratlos Leanne |
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