Leserunden » AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" (Seite 10)
| tschwantzer | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 00:30 Uhr |
|---|---|---|
|
Also ich hätte das Personenregister nicht vermisst, wenn es nicht dagewesen wäre!
"Nothing right in the left brain, nothing left in the right brain " |
||
| Bio-Fan | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 07:52 Uhr |
|
Die besten und spannendsten Geschichte sind für mich immer diejenigen, die das Leben hätte schreiben können. In diese kann ich mich sofort versenken, da fühle und leide ich mit. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Mechtilds Roman-Konstellation in abgewandelter Form auch in der Realität gegeben hat. Zu viele haben sich damals mit Schuld beladen und die meistens sind davon gekommen wie Wilhelm Peters, der mir Wohlstand bestraft wurde, oder Paul Gerhard mit einer guten Rente, dem wenigstens das schlechte Gewissen zum Alkoholiker gemacht hat. Die beiden sind die wahren Schuldigen, denn ihre Taten als Nazi-Schergen haben das Leben so vieler Menschen zerstört. Therese Peters, die im Affekt getötet hat, dann auch noch den Falschen, hat das Leben bestraft. Auch wenn sie im Luxus gelebt hat, wird sie ihr ganzen Leben unter ihrer Schuld gelitten haben. Ähnliches gilt auch für Hanna Höver, die sich aus gekränkten Gefühlen schuldig gemacht hat. Auch ihr Leben wird nicht besonders glücklich gewesen sein. Deshalb finde ich es konsequent, dass beide am Ende von offizieller Seite nicht oder nur milde bestraft wurden, Es ist schon wichtig, dass die Erzählung einen Bezug zur Gegenwart hat, denn Geschichte (Historie) beeinflusst immer die Geschicke der Folgezeit. Unzählige Menschen haben das Nazi-Regime am Laufen gehalten, die waren ja nach dem Krieg nicht plötzlich weg oder ganz andere Menschen. Die meisten haben ihr Tun nur einfach verdrängt und geschwiegen. Mechtilds Roman hat mich nachdenklich gemacht in dem Sinne: Was werden die nachfolgenden Generationen über uns denken und sagen, die wir doch kollektiv den Untergang unseres Planeten vorantreiben? Sollten wir nicht jetzt das Schweigen brechen? . |
||
| Everly | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 08:11 Uhr |
|
WOW...bin gestern abend fertig geworden. Ich bin ja die ganze Zeit hinterher gehinkt, aber gestern konnte ich das Buch dann echt gar nicht mehr aus der Hand legen. Einsame Spitze. Da sind ja noch Dinge passiert mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Die Sache mit Jurij zum Beispiel kam für mich völlig unerwartet, weil er bisher so gar nichts mit der Geschichte zu tun hatte. Ich hatte irgendwie gedacht hinter der Sache mit Jakob und Leonard würde noch mehr stecken. Aber wer Friedhelm Lubisch war, das hat mich aus den Socken gehauen. Er kommt ja nicht besonders gut weg in der Geschichte. Ich fand das Buch jedenfalls klasse und bin froh, dass ich durch diese Leserunde darauf aufmerksam wurde. Wer weiss ob ich es sonst je gelesen hätte... Mich würde noch interessieren Frau Borrmann, wie die Geschichte entstanden ist, wie sie darauf gekommen sind? Ich meine, ich finde es gar nicht so einfach sich SO eine Geschichte auszudenken. |
||
| Everly | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 08:13 Uhr |
| Achso, das Personenregister hätte ich jetzt auch nicht so unbedingt gebraucht. Mir leuchtet jedenfalls nicht ein warum es bei diesem Buch notwendiger sein sollte als bei anderen. | ||
| nerozuechtetkeineorchideenmehr | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 09:54 Uhr |
|
Ich habe das Personenregister auch nicht gebraucht. Andererseits: warum nicht?? Es gibt ja Leser, die mehrere Bücher gleichzeitig lesen und dann kann es ja durchaus hilfreich sein. |
||
| Mickey_26 | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 11:14 Uhr |
|
Ein Personenregister hätte ich bei diesem Buch auch nicht gebraucht, es stört aber auch nicht. Des Weiteren hat mir das Buch sehr gut gefallen, ein lesenswerter Krimi, der uns nebenbei ein Stück Geschichte näher bringt. Hier stimme ich Bio auch zu, dass es durchaus Schullektüre sein könnte (oder sollte). Mechtild Borrmann gelingt es, uns einen dunklen Teil unserer Geschichte nahe zu bringen, ohne uns mit den großen politischen Fakten zu bombardieren und den drohenden Zeigefinger zu erheben. Das konnte ich nämlich während meiner Schulzeit irgendwann nicht mehr hören (ist natürlich auch schon ein bisschen her ). Am Beispiel der sechs Freunde wird deutlich, wie die damalige Politik das Leben der Menschen beeinflusst hat. Man kann sich in die Personen hineinversetzen und überlegt, wie man selbst sich wohl verhalten hätte. Getrieben werden diese Personen trotzdem von ganz zeitlosen, menschlichen Motiven wie Liebe, Eifersucht, Neid und Hass. Wenig Gedanken habe ich mir bisher über die Zeit der Entnazifizierung gemacht. Klar weiß man, dass viele Nazis, gerade was die Wirtschaft angeht, auch nachher wieder Fuß gefasst haben. Aber dass 12 Jahre von einem Tag auf den anderen totgeschwiegen und verleugnet werden, ist schon unglaublich. Wie muss sich Robert Lubisch fühlen? Festzustellen, dass man einen Elternteil nie wirklich gekannt hat. Geht es uns mit unseren Eltern oder Großeltern genauso? Dass Menschen ihre Vergangenheit so gut verbergen können. Alles in allem ein anregendes und bis zum Schluss spannendes Buch. Habe die nächsten Bücher von Frau Borrmann schon bestellt. |
||
| Bio-Fan | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 11:32 Uhr |
Hier stimme ich Bio auch zu, dass es durchaus Schullektüre sein könnte (oder sollte) Oh, der Vorschlag war nicht von mir. Aber ich stimme ihm zu Habe die nächsten Bücher von Frau Borrmann schon bestellt. Bevor ihr jetzt Bücher von Mechtild kaufen geht, ich habe eins zu verschenken! (Mein netter Buchhändler, der Christian von der Hammett-Krimi-Buchhandlung wollte mir kostenfrei ein Leseex von "Wer das Schweigen bricht" zukommen lassen, leider war´s das falsche.) Deshalb habe ich jetzt "Mitten in der Stadt" doppelt und verschenke es gerne. Wer Interesse hat, schicke mir per PN eine Zahl von 1 - 10, wer am nächsten an meiner gedachten Zahl dran ist, bekommt das Buch . |
||
| tschwantzer | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 11:46 Uhr |
|
Cool, denn das ist der einzige Borrmann-Roman, den ich inzwischen noch nicht bestellt habe; vielleicht klappt es ja (Zahl kommt gleich als PN)
"Nothing right in the left brain, nothing left in the right brain " |
||
| nerozuechtetkeineorchideenmehr | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 11:46 Uhr |
|
Schön, dass euch meine Idee mit der Schullektüre gefällt! Leider kenne ich keine Lehrer näher... |
||
| Jochen | AW: Leserunde 11/IV: "Wer das Schweigen bricht" | 08.09.2011, 12:18 Uhr |
|
Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits stehe ich zu meinem Fazit: "Wer das Schweigen bricht ist ein ganz großer Wurf in knapper Form. Bleibt nur zu hoffen, dass er – bei dem Sujet leider im Bereich des Möglichen – nicht zu ungeliebter Schullektüre auserkoren wird. Denn dieses hochspannende und klug ausgearbeitete Buch ist es wert, freiwillig gelesen zu werden." Andereseits wären die zusätzlichen Verkäufe Mechtild und ihrem Buch natürlich zu gönnen |
||






neue Kommentare:
» mehr Lesermeinungen